Uli Stein Privat
"Ich glaube, ich bin mittlerweile zu alt, um mir noch irgendetwas verbieten zu lassen" ...

... sagt Uli Stein, Jahrgang 1946, aufs Thema "Heiraten" angesprochen ... Eine dauerhafte Bindung ist Deutschlands erfolgreichster und bekanntester Cartoonist hingegen mit seiner Geburtsstadt Hannover eingegangen, die er nie wirklich und nie auf Dauer verlassen hat - höchstens zum Überwintern in wärmeren Gefilden.

Über die Jahre und mit dem steigenden Erfolg haben sich Uli Steins Quartiere um Hannover herum verändert: vom alternativen Gartenhaus-Ambiente am Mittellandkanalufer zum Altbau mit Fachwerk und rundem Turmzimmer, wo sich heute Wohnflächen mit Arbeitsräumen und Atelierräume mit Hightech-Grafikstudios vermischen.
An den Wänden hängen keine Originale von Uli Stein, sondern vor allem die bizarren Promi-Porträts seines Lieblingsmalers Sebastian Krüger.

Eine komplett eingerichtete Küche gibt es auch, aber die mag Uli Stein nach eigenem Bekunden nicht schmutzig machen; so weisen denn auch nur Korkenzieher und Kaffeemaschine Gebrauchsspuren auf:
"Kochen ist doch viel zu umständlich: Kochbücher wälzen, einkaufen, stundenlang zubereiten und dann noch die Küche einsauen. Da gehe ich lieber essen und lasse mich verwöhnen.".

Es ist aufgeräumt bei Uli Stein, sehr aufgeräumt. Aus der Not -
"Es gab Zeiten, da hatte ich immer mehrere Schlüssel, um zumindest einen finden zu können"
- hat er eine Tugend gemacht.

Im übertragenen Sinne gilt dies auch für das Zeichnen. Eine glatte vier wurde ihm in der Schule im Fach Zeichnen verpasst, und selbstkritisch stellt er zu seinen zeichnerischen Anfängen fest:
 
"Ich war grottenschlecht! Wenn man sich das heute noch mal angucken würde, müsste das Urteil lauten: Also zeichnen kann der nicht!"

Und Zeichnen war auch nicht der erträumte Wunschberuf:
"Ich habe permanent gescribbelt und in meine Schulhefte gezeichnet, aber zu dieser Zeit nie im Leben daran gedacht, das mal irgendwann zu meinem Beruf zu machen."

Aus Verlegenheit studierte Uli Stein Pädagogik in Berlin, entschied sich aber kurz vor dem Staatsexamen gegen eine Beamtenlaufbahn und begann stattdessen zu fotografieren und zu schreiben. Seine Nonsens- und Satiretexte bescherten ihm bald eine eigene Sendung beim Saarländischen Rundfunk.

Mitte der Siebziger Jahre entdeckte Uli Stein eher nebenbei, dass er die Pointen seiner komischen Einfälle mit dem Zeichenstift viel schneller auf den Punkt bringen konnte - der Cartoonist Uli Stein war geboren:
"Die ersten Cartoons habe ich in Schweizer Zeitschriften und in der chaotischen Kiez-Postille St.-Pauli-Nachrichten veröffentlicht. Das war Mitte der Siebziger, meine ich mich zu erinnern."

Bald kamen große deutsche Zeitschriften dazu: HörZu, Neue Revue und natürlich die Freundin, für die Uli Stein über zwanzig Jahre gearbeitet und die berühmte Seite 7 gestaltet hat. Seit 1997 ist die tv Hören und Sehen sein kreativer Haupt-Tummelplatz.
Mit dem Bekanntheitsgrad wuchs der kommerzielle Erfolg des Cartoonisten, dessen Bücher-, Karten- und Kalenderabsatz ab Anfang der achtziger Jahre in immer schnellerer Geschwindigkeit nach oben schoss und in den Neunziger Jahren für Deutsche Cartoonisten nie gekannte Auflagehöhen erreichte.
 
Geschwindigkeit ist ein weiteres großes Thema im Leben von Uli Stein. Wir wärmen hier keine Gerüchte über nächtliche Autorennen jugendlicher Heißsporne zwischen Hannover und Neustadt auf … gesichert ist aber, dass Uli Stein ab Mitte der Achtziger Jahre mit Erfolg Kartrennen gefahren und dann auf die Formel Renault bis zur Formel 3 (schwarzer Rennwagen mit der legendären frechen Maus!) umgestiegen ist. Uli Stein im Rückblick: "Hab das irgendwann an den Nagel hängen müssen, weil ich einfach die Zeit nicht mehr hatte. Und mein Rücken machte das auch nicht mehr mit!"

Dass durch den Wegfall des zeitaufwendigen Autorennsportes noch mehr Zeit für die Erschaffung neuer Cartoons da war, versteht sich.
Die Erfolgsstory ging denn im neuen Jahrtausend auch ungebremst weiter:
Uli Steins "Pisa-Alarm!" etwa stand im Jahre 2003 über 9 Monate lang auf der stern-Bestsellerliste und wurde vom Buchhandel mehr als eine halbe Million Mal abgesetzt.

Um kurz bei Superlativen zu bleiben: die Gesamtzahl der verkauften Uli-Stein-Bücher beträgt über 10 Millionen Exemplare; diejenige der Postkarten über 90 Millionen. Und seine jährlich erscheinenden Kalender (15 verschiedene gibt es inzwischen) schmücken hunderttausende von Wohnungen und Büros!
 
Hat Uli Stein eine Erklärung für seinen Erfolg?
"Ich habe keine Ahnung - und wenn ich sie hätte, würde ich sie nicht an die große Glocke hängen. Ich habe aber auch keine Zeit, groß darüber nachzudenken: bei einer normalen 90-Stunden-Arbeitswoche bleibt nicht viel Platz für andere Dinge. Ausgenommen Sonnabendnachmittag, wenn unsere Roten spielen."

Mit den Roten sind die Kicker von Hannover 96 gemeint. Daneben liebt Uli Stein nach wie vor den Motorsport. Ein gutes Essen mit einem noch besseren Wein dazu. Ein spannender oder witziger Film, ein interessantes Buch - alles eine Zeitfrage. Gekonnte Zauberei und das Herausfinden der Tricks faszinieren ihn. Und vielleicht sind wir da dem Geheimnisses der großartigen Schaffenskraft von Uli Stein auf der Spur:

Einem Zauberer gleich ist er ständig auf der Suche nach neuen Gags und Pointen. Das finden des immer wieder Außergewöhnlichen setzt beharrliche Arbeit und Hartnäckigkeit voraus. Und wie bei jeder kreativen Tätigkeit ragen einige Wenige aus dem breiten Mittelfeld heraus. In Sachen Cartoons und Humor zählt Uli Stein unzweifelhaft dazu.

Dieter Schwalm,
Verleger
 

© 2010 Lappan Verlag | Impressum